Dieses Werk befindet sich auf dem Provinzdomäne Atlantikwall Raversyde. Auf der Website finden Sie die Öffnungszeiten und den Eintrittspreis.
Die meisten Werke von Lily van der Stokker sehen aus wie Designs für großflächige dekorative und bunte Wandzeichnungen, oft mit kindlicher Unschuld und Naivität. Sie beschäftigen sich entwaffnend schamlos und überschwänglich mit Vorstellungen über Schönheit, Beziehungen, Liebe oder Familie. Trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer scheinbaren Schlichtheit sind ihre Werke oft provokativ und werden dem wachsenden Diskurs über postfeministische Praktiken zugeordnet. Sie spielt mit stereotyper Weiblichkeit und bezeichnet ihren Stil als 'nicht schreiender Feminismus', wobei sie vor Sentimentalität nicht zurückschreckt.
Für Beaufort hat Lily van der Stokker die Villa Bastien in Raversyde einer bemerkenswerten Transformation unterzogen. Die traditionelle Backsteinvilla, die nach einem ihrer Bewohner (dem belgischen Maler Alfred Bastien) benannt ist, verflacht von einem architektonischen Objekt zu einer zweidimensionalen Leinwand, was den Pop-Charakter des Werks noch verstärkt. Die gesamte Außenseite wird in zwei grüne Karomuster gehüllt, die an typische Küchentücher erinnern. Die ikonischen und markanten Muster, die die Künstlerin selbst entworfen hat, werden abwechselnd schräg oder gerade auf dem Dach und an den Fassaden angebracht. Die Farben Weiß und Grün wurden nicht zufällig gewählt: Zum einen verleihen sie dem düsteren Kontext des Kriegsmuseums einen frischen, hellen Akzent. Und zum anderen schaffen sie einen starken Kontrast zwischen dem femininen Karomuster und der maskulinen Ausstrahlung von Bunkern und Soldaten. Van der Stokker selbst beschreibt ihr Werk als erfrischenden Fremdling, der den Geist des Hauses neu erstrahlen lässt. Durch die Wahl eines repetitiven, minimalistischen aber dennoch verspielten Musters kommt die Architektur des Gebäudes klarer zum Ausdruck. Dies erinnert an die Razzle-Dazzle-Tarnung, eine Technik mit geometrischen Mustern in kontrastierenden Farben, die im Ersten Weltkrieg häufig auf Schiffen eingesetzt wurde, um den Feind zu täuschen, anstatt sich zu tarnen.